Grundbildung am Arbeitsplatz – Eine Chance für Unternehmen und Angestellte

Das Grundbildungszentrum an der Volkshochschule Wiesbaden e.V. entwickelt gemeinsam mit Kooperationspartnern in verschiedenen Stadtteilen innovative Angebote. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der arbeitsplatzbezogenen Grundbildung. Eine Kooperation mit dem Unternehmen Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden/ELW läuft sehr vielversprechend an. Bei einem Besuch des Grundbildungszentrums erläutern der Direktor der VHS, Dr. Philipp Salamon-Menger und der Projektleiter des Grundbildungszentrums Martin-Rüdiger Noack die Ansätze ihrer Grundbildungsarbeit. Anschließend wird das Gespräch im Firmensitz der ELW fortgesetzt, wo wir den Pressesprecher des Unternehmens Frank Fischer und zwei Mentorinnen, Sabine Mandutz und Maria Brennecke, treffen und mit ihnen über ihr Engagement für die Grundbildung ihrer Mitarbeiter/-innen sprechen. 

Herr Noack, welches sind die Arbeitsschwerpunkte des Grundbildungszentrums der vhs Wiesbaden?

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Noack: Ausgehend von den Stärken der vhs, den Bedarfen in der Kommune und den Erkenntnissen der leo.-Level-One -Studie haben wir mehrere Ansätze entwickelt, die wir nun gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern umsetzen. Wir führen zudem intensive Beratungsgespräche mit möglichen Teilnehmenden und entwickeln bedarfsgemäße Kursangebote. Wir engagieren uns stark in der Vernetzung der Bildungsakteure hier vor Ort, zum Beispiel im Bündnis für Alphabetisierung und in der Organisation von Konferenzen. Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit, von politischen Entscheidungsträgern und Vertretern der Wirtschaft durch Gespräche, Veranstaltungen und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sind ebenso wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.

Welchen Stellenwert hat Grundbildung in der Arbeit der Volkshochschule Wiesbaden e.V.?

Salamon-Menger: Grundbildung ist für uns nicht ein Projekt, das in ein paar Jahren abgeschlossen sein wird, sondern ein Querschnittsthema und eine Herzensangelegenheit. Herr Noack als Leiter des Grundbildungszentrums wird im Haus in alle Planungsprozesse eingebunden, die interne Vernetzung ist uns sehr wichtig. Wir tragen das Thema auch in die Öffentlichkeit und zu politischen Entscheidungsträgern. Dabei achten wir immer auf eine positive Ansprache. Wir sprechen über gelungene Beispiele, nicht über Probleme oder Defizite. Wir zeigen auf, was sich durch Bildungsarbeit in den Stadtteilen oder Communities positiv verändert hat oder wie es uns gelungen ist, neue Kursteilnehmer zu gewinnen.

Können Sie Beispiele für Projekte in den Stadtteilen nennen?

Noack: In Klarenthal, einem Stadtteil mit hoher sozialer Bedarfslage, haben wir gemeinsam mit dem Volksbildungswerk und der Stadtteilbibliothek das Lesecafé ins Leben gerufen. Es gab vorher kaum Treffpunkte, wo Eltern am Nachmittag mit ihren Kindern hinkommen und Zeit verbringen konnten. Gleichzeitig wünschte sich die Bibliothek mehr Zulauf. Wir haben zum Lesecafé – einem Familientreff mit Kaffee und Kuchen in die Bibliothek - eingeladen und viele sind gekommen. Es gibt im Lesecafé nun regelmäßig Lese- und Schreibangebote für die Kinder und die Eltern sind mit dabei. Auch bei Schwierigkeiten der Eltern, zum Beispiel beim Ausfüllen von Formularen wie der Schulanmeldung, wollen wir unterstützen. Das Konzept der „Family Literacy“ spielt hier eine wichtige Rolle. Dieses Angebot ist dauerhaft angelegt und wird mit viel ehrenamtlichem Engagement unterstützt.

Ein weiteres Beispiel ist das Projekt „Fit für den Alltag“ im Westend, einem migrantisch geprägten Stadtteil mit einer großen somalischen Community. Dort kooperieren wir mit Kubis e.V., einem Verein für Bildung, Kultur und Sozialmanagement, der dort unter anderem Unterstützung für Menschen, die nicht gut lesen und schreiben können, anbietet. Wir haben gemeinsam einen Kurs mit starkem Alltagsbezug entwickelt, in dem wir auf Bedürfnisse der Teilnehmenden eingehen. Eine Multiplikatorin mit somalischen Wurzeln konnte gewonnen werden. Sie ist sehr wichtig für die Einladung und Aktivierung von Frauen und gleichzeitig ein mögliches Vorbild. Neben der Hilfe beim Lesen und Ausfüllen von Formularen stehen zum Beispiel auch Exkursionen zu Pro Familia auf dem Programm. Eigenes Engagement und Teilhabe stehen hier im Vordergrund. Die Kinderbetreuung während des Kurses zum Beispiel organisieren die Frauen selbst. 

Was sind aus Ihrer Sicht Erfolgskriterien für die Projekte in den Stadtteilen?

Salamon-Menger: Wir wollen vor Ort Räume des Vertrauens schaffen, wo Menschen einander angstfrei begegnen können. Der Zugang sollte niedrigschwellig sein, möglichst kostenlos und offen für alle Interessierten. Wir haben uns vorab viel Zeit  genommen, um gemeinsam mit den Menschen und Organisationen vor Ort die Bedarfe zu analysieren. Gut vernetzte Schlüsselpersonen sind sehr wichtig, um die Leute aus den Communities zu motivieren und zu aktivieren. Und es ist wichtig, dass stets ein konkreter Lebensweltbezug da ist, dass die Menschen sehen, wofür Kompetenzen zum Beispiel im Lesen, Schreiben und Rechnen ihnen in ihrem Alltag nutzen.

Kommen wir zu ihrem Projekt „Fit für den Beruf“, bei dem es um arbeitsplatzbezogene Grundbildung geht. Wie kam es zur Kooperation mit den ELW (Entsorgungsbetriebe der Stadt Wiesbaden)?

Noack: In der leo. – Level-One Studie wurde ja deutlich, dass in bestimmten Berufsgruppen häufiger Menschen mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, so genannte funktionale Analphabeten, arbeiten. Dies sind Menschen, die praktisch arbeiten, etwa auf Baustellen, als Maschinenführer, im Reinigungsbereich, in Entsorgungsbetrieben oder der Grünflächenpflege. Insofern liegt es nahe, mit Arbeitgebern zusammenzuarbeiten, die ein Interesse daran haben, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fortzubilden. Die ELW waren von Anfang an sehr offen für das Thema und zu einer Kooperation mit der vhs bereit. Das ist nicht selbstverständlich. Das Thema ist nach wie vor stark stigmatisiert und viele Unternehmen scheuen den offenen Umgang damit.

Salamon-Menger: Es ist wichtig, von Beginn an die Leitungsebene als 100%ig überzeugten Partner mit im Boot zu haben. Gleichzeitig muss man aber auch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sprechen und sie überzeugen, zum Beispiel über den Betriebs- oder Personalrat. Das Anliegen und die Hintergründe müssen erläutert und Bedürfnisse der Mitarbeitenden bedacht werden, so dass das Angebot nicht als etwas empfunden wird, das „von oben“ aufgezwungen wird. 

Was sind ihrer Erfahrung nach Argumente, mit denen man Unternehmensleitungen davon überzeugen kann, sich für Grundbildungsangebote für ihre Mitarbeiter/-innen einzusetzen?

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Salamon-Menger: Man muss mit den Köpfen der Unternehmen denken, sich in ihre Lage versetzen. Welche Interessen haben sie? Es gibt eine Reihe von Vorteilen, die Weiterbildungsangebote für Mitarbeitende mit geringerem Bildungsstand mit sich bringen: zum Beispiel höhere Mitarbeiterzufriedenheit, sinkender Krankenstand, höhere Arbeitssicherheit, Nachqualifizierung in einer sich verändernden Arbeitswelt.

Wir setzen das Gespräch in der Unternehmenszentrale des kommunalen Eigenbetriebs ELW (Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden) fort. Am Tisch sitzen Frank Fischer von der Unternehmenskommunikation, zwei der drei ausgebildeten Mentorinnen, Maria Brennecke und Sabine Mandutz, sowie Herr Noack von der vhs.

Herr Fischer, welche Gründe sind für Ihr Unternehmen ausschlaggebend, sich in Sachen Grundbildung zu engagieren?

Fischer: Wir wollen ein attraktiver Arbeitgeber sein, bei dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne arbeiten, sich wohlfühlen, und Verantwortung übernehmen. Daher wollen wir allen Beschäftigten Angebote zur Weiterbildung machen, auch in niedrigeren Gehaltsstufen.

Die Arbeitswelt verändert sich ständig, daran müssen wir uns anpassen. Viele Tätigkeiten im operativen Geschäft, bei denen es früher kaum nötig war, viel zu lesen oder zu schreiben, haben sich gewandelt. Heute gibt es mehr Dokumentationspflichten, außerdem Informationen per E-Mail oder WhatsApp, auf die geantwortet werden muss. Dafür wollen wir alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fit machen.

Können Sie Beispiele für Veränderungen in der Arbeitswelt geben, auf die Sie reagieren?

Fischer: Wir hatten zum Beispiel vor ein paar Jahren eine große Umstellung im Lagerbereich. Mehrere Lager wurden zusammengefasst. Wir haben viele langjährige Mitarbeiter, die seit 20 Jahren oder länger dabei sind und genau wussten, wo sich im Lager was befand. Mit der Umstellung gingen eine stärkere Verschriftlichung der Informationen und Dokumentationspflichten einher. Der Arbeitsbereich hat sich stark verändert. Für Menschen mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben wäre das ein echtes Problem. Diese Mitarbeiter mit ihrem Wissen und Können würden wir jedoch nicht verlieren wollen.

Oder nehmen wir die Straßenreinigung. Die neueren Streufahrzeuge für den Winterdienst sind technisch sehr ausgefeilt, mit vielen Einstellungsmöglichkeiten. Es gibt zwar praktische Einweisungen in die Fahrzeuge, aber man fährt sie ja nicht täglich und vergisst auch mal was. Für Mitarbeiter, die gut lesen können, ist das kein Problem, sie lesen im Handbuch nach, wie das Fahrzeug zu bedienen ist. Für diejenigen mit Schwierigkeiten beim Lesen ist das nicht so einfach. Wir möchten Fortbildungsangebote machen, die ihnen in ihrem Berufsalltag helfen. 

Welche Angebote gibt es konkret?

Fischer: Zum einen ist uns die Sensibilisierung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Thema Grundbildung wichtig, von der Leitungsebene bis zu allen Abteilungen.  Dies tun wir zum Beispiel in Gesprächen, mit Flyern, Infos auf unseren digitalen schwarzen Brettern oder einem Artikel in der Mitarbeiterzeitung. In Kooperation mit der vhs und dem MENTO-Programm des DGB-Bildungswerkes sind drei unserer Mitarbeiterinnen zu Mentorinnen ausgebildet worden. Sie sind nun Ansprechpartnerinnen für alle Mitarbeitende.

Zum anderen finanzieren wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Teilnahme an Grundbildungskursen, so dass für sie keine Kosten entstehen. An der vhs wurde ein Kurs eigens für unsere Beschäftigten eingerichtet, sie können aber auch an anderen Grundbildungskursen der vhs teilnehmen.

Frau Brennecke und Frau Mandutz, wie kam es dazu, dass Sie Mentorinnen wurden?

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Brennecke: Wir wurden von unserer Vorgesetzten angesprochen, ob wir uns vorstellen könnten, Ansprechpartnerinnen für die Mitarbeiter zum Thema Grundbildung im Unternehmen zu werden und an der Fortbildung dafür teilzunehmen. Frau Mandutz und ich aus der Personalbetreuung und Frau Schmitt aus dem Gesundheitsmanagement haben sofort zugesagt. 

Mandutz: Wir wurden gezielt angesprochen, weil wir in Bereichen arbeiten, in denen wir viel Kontakt zu den Mitarbeitern haben. Es ist dann für die Kollegen auch nicht merkwürdig, wenn betroffene Mitarbeiter wegen Lese- oder Schreibschwierigkeiten zu uns gehen, sich aber nicht „outen“ wollen. 

Brennecke: Wir haben dann gemeinsam mit einigen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der vhs gemeinsam die Fortbildung zur Mentorin im Rahmen des MENTO-Programms bei Filippo Rinallo vom DGB Bildungswerk Hessen e.V. gemacht. Wir haben uns mit dem Thema Funktionaler Analphabetismus beschäftigt. Wir wurden dafür sensibilisiert, welche Zeichen darauf hindeuten, dass Menschen große Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben. 

Mandutz: Wir haben gelernt, dass es immer „Mitwisser“ gibt, die man mit ins Boot holen kann oder sollte, wenn man die Betroffenen über das Thema spricht oder über Grundbildungsangebote informiert.

Was tun Sie konkret in Ihrer Funktion als Mentorinnen?

Brennecke:Wir arbeiten eng mit Martin Noack und Frank Fischer zusammen und überlegen, wie man das Thema bekannt machen und die Kollegen erreichen kann. Wir sind Ansprechpartnerinnen für alle Mitarbeiter. Kollegen, die zu uns kommen, bieten wir ein offenes Ohr und erklären ihnen, welche Angebote es bei der vhs gibt. Auf Wunsch vereinbaren wir direkt einen Termin mit Herrn Noack im Grundbildungszentrum, viele sind dafür sehr dankbar.

Welche Maßnahmen sind oder waren erfolgreich in der Ansprache der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Fischer: Wir haben gemeinsam mit den Mentorinnen und der vhs einen Flyer entwickelt mit dem Motto: „Wir sind fit für den Beruf. Grund: Bildung“. Dort wird auf das Angebot verwiesen, dass Mitarbeiter sich fortbilden können, um „Arbeitspläne besser verstehen, Formulare schneller ausfüllen, leichter dokumentieren und E-Mails verständlich schreiben“ zu können. Alle Ansprechpartner/-innen sind mit Foto und Telefonnummer/Anschrift vorgestellt. Bewusst werden hier Begriffe wie „Alphabetisierung“ oder  „Lesen und Schreiben lernen“ vermieden, um Berührungsängste zu vermeiden und niemanden in die Ecke zu stellen nach dem Motto: „Du kannst das nicht? Hier kannst du es lernen“. Es geht eher darum, seine Fähigkeiten zu verbessern, die man für die Arbeit, aber auch im Alltag brauchen kann. Es gibt Angebote für alle Niveaustufen.

Brennecke: Diesen Flyer haben wir allen Gehaltsabrechnungen beigelegt. Diese werden meist zu Hause, im vertrauten Umfeld, geöffnet. Mögliche Mitwisser, wie zum Beispiel die Ehefrau, werden so gleich mit einbezogen und erfahren über das Angebot, können möglicherweise auch dazu motivieren, den ersten Schritt zu machen.

Mandutz: Eine Woche nach dem Versand fand bei uns der Gesundheitstag statt. Dort präsentierte Herr Noack das Grundbildungszentrum mit einem Stand. Das wurde sehr gut angenommen.

Noack: Ich wurde dort direkt von einigen Mitarbeitern angesprochen, die sich informieren wollten und die an einer Beratung und an einem Kurs interessiert waren. Diese Kombination von Flyerversand und persönlicher Präsenz beim Gesundheitstag kurz danach war ideal.

Sprechen Sie die Mitarbeiterinnen auch direkt an?

Brennecke: Nein, direkte Einzelansprache machen wir bisher nicht, obwohl wir noch ein oder zwei Personen im Kopf haben, für die die Teilnahme an einem Grundbildungsangebot wahrscheinlich sehr sinnvoll wäre. Was wir aber getan haben, ist, in die Straßenreinigungsunterkünfte in den einzelnen Stadtteilen zu fahren und dort mit den Mitarbeitern in der Gruppe zu sprechen.

Noack: Wir waren dort gemeinsam: Die Mentorinnen, ich und ein Vertreter des Personalrats. Wir haben dort kurz die Angebote vorgestellt und an den Flyer erinnert. Wir haben vor allem die Vorteile hervorgehoben, die es mit sich bringt, wenn man gut lesen und schreiben kann, bei der Arbeit, aber auch im Alltag, was zum Beispiel die Bedienung von Smartphones, den Kauf von Apps etc. betrifft.

Brennecke: Es gab in einer Runde einen Mitarbeiter, der an einem Kurs teilnimmt und den anderen darüber offen und sehr positiv berichtete.

Noack: An anderer Stelle erzählte der Personalrat aus seiner eigenen Biografie, dass er auch an einem Grammatikkurs teilgenommen habe, als er im Unternehmen vor neuen Aufgaben stand. Das waren Türöffner für das Gespräch. Tatsächlich haben sich nach dieser Runde durch die Straßenreinigungsunterkünfte drei Interessenten bei mir gemeldet. Das ist ein toller Erfolg. Außerdem haben wir erfahren, dass ein Kursbeginn kurz nach Dienstschluss für viele günstig wäre, da sie außerhalb Wiesbadens wohnen und eine zweite Anreise am Abend für sie zu aufwändig wäre.

Noack: Schon die Tatsache, zu merken, dass das Unternehmen sensibel für das Thema Grundbildung ist und dass Kollegen an Kursen teilnehmen, kann den einen oder anderen motivieren, es auch einmal zu versuchen.

Welche weiteren Aktivitäten sind geplant?

Mandutz: Wir möchten Besuche wie in der Straßenreinigung demnächst auch bei den Müllwerken durchführen. 

Fischer: In Kürze erscheint ein Artikel über „Lesen und Schreiben lernen“ in der Mitarbeiterzeitung, um alle Mitarbeiter zu informieren und zu sensibilisieren und um auf unsere Angebote hinzuweisen. Vielleicht entwickeln wir mal eine Aktion rund um das Lesen, zum Beispiel zum Tag des Buches. Es ist eine Herausforderung, das Thema immer präsent zu halten, immer wieder aktuelle Anlässe zu finden, um darauf aufmerksam zu machen.

Noack: Wir sind wirklich sehr glücklich über diesen Kooperationspartner und unsere Zusammenarbeit. Die ELW entwickeln immer wieder eigene Ideen und sind sehr engagiert. Man kann sagen, dass wir hier Pionierarbeit leisten. Diese möchten wir gern bekannt machen und in die Fläche tragen. Als nächstes sind wir im Gespräch mit der Stadt Wiesbaden, um auszuloten, welche Bedarfe es bei kommunalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gibt und welche Angebote man entwickeln könnte.

Die Gespräche führte Katharina Reinhold am 13. Dezember 2017 in Wiesbaden.

Fotos:

1. Foto: Martin-Rüdiger Noack, Dr. Philipp Salamon-Menger (Foto: Katharina Reinhold)

2. Foto: Grundbildungszentrum VHS Wiesbaden (Foto: Katharina Reinhold)

3. Foto: Martin-Rüdiger Noack (VHS), Maria Brennecke, Frank Fischer, Sabine Mandutz (ELW) (v.l., Foto: Katharina Reinhold)

Kurzporträt: Grundbildung in Wiesbaden

Einwohnerzahl

Einwohnerzahl

289 544 (2016)

Demografische Entwicklung

Demografische Entwicklung

Seit 2006 stieg die Bevölkerungszahl um mehr als 14.000 an (plus 5,3 %); etwa ein Drittel geht auf Sonderentwicklungen wie der Zuzug von Geflüchteten zurück. Anteil der Ausländer stieg von 17,7 auf 20,1 Prozent. Die Geburtenrate ist steigend, lag sie 2006 noch bei durchschnittlich 1,3 Kindern pro Frau liegt sie 2016 bei 1,6 Kindern. Die gestiegene Lebenserwartung führt zu einem höheren Durchschnittsalter der Wiesbadener Bevölkerung; von 41 Jahren (2016) auf 42 Jahre. Bis 2035 erwarten die Statistiker einen weiteren Anstieg der Bevölkerungszahl.

Bedeutung des Ortes in der Region

Bedeutung des Ortes in der Region

Wiesbaden ist die Landeshauptstadt von Hessen. Das Parlament, zahlreiche Ministerien und Ämter sind dort angesiedelt. Laut Selbstdarstellung ist Wiesbaden „eine grüne Stadt im Herzen des Rhein-Main-Gebiets, ein wirtschaftliches, soziales und kulturelles Zentrum.“

Strukturen, Akteure und Projekte im Bereich Grundbildung

Strukturen, Akteure und Projekte im Bereich Grundbildung

Einzige Anbieterin von Grundbildungskursen ist die vhs Wiesbaden e.V. Das Grundbildungszentrum wurde am 21.04.2016 offiziell eröffnet und wird bis Ende 2019 zu je 50 % durch das Land Hessen und den Europäischen Sozialfonds gefördert. Mit dem Thema Grundbildung beschäftigen sich jedoch zahlreiche Akteure, die im „Bündnis für Alphabetisierung“ zusammenarbeiten. Das Büro für kommunale Bildungsprojekte der Stadt Wiesbaden bündelt in diesem Bereich die städtischen Aktivitäten. Weiterhin gibt es auch das Projekt „Bildung integriert“ der Stadt Wiesbaden, das aus Bundes- und EU-Mitteln gefördert wird. In dessen Rahmen wurde ein Fachbeirat ins Leben gerufen, um regelmäßig alle institutionellen Bildungsakteure an einen Tisch zu holen.

Anzahl an Kursen und Kursteilnehmern im Bereich Grundbildung

Anzahl an Kursen und Kursteilnehmern im Bereich Grundbildung

2015: 7 Kurse mit 386 UE und 21 TN

2016: 10 Kurse mit 433 UE und 46 TN

2017: 25 Kurse mit 692 UE und 64 TN

Beratungen zwischen Mai 2016 und August 2017: 96 Beratungen von Betroffenen und Angehörigen, 60 Erstberatungen von Betroffenen und Angehörigen, 37 Überführungen in die Grundbildungskurse der vhs

Statement der kommunalen Spitze

Statement der kommunalen Spitze

Stadtrat und Dezernent für Soziales, Bildung, Wohnen und Integration Christoph Manjura: „Unterstützt werden wir in dem Bestreben, das bestehende Bildungsmonitoring auszubauen und ein Bildungsmanagement durch das vom Bundesbildungsministerium aufgelegte Programm „Bildung integriert“ zu etablieren. Ziel […] ist die Verbesserung der Bildungsteilhabe der Bevölkerung in Wiesbaden durch Bereitstellung passgenauer, d. h. zielgruppenadäquater, integrativer bzw. inklusiver Bildungsangebote für jedes Lebensalter. […] Die vhs Wiesbaden mit ihren unterschiedlichen Projekten ist ein wesentlicher Partner, mit dem wir gut und intensiv zusammenarbeiten. […] Seitens der Stadt Wiesbaden ist das Büro für Kommunale Bildungsprojekte (kurz Bildungsbüro) mit diesen Aufgaben betraut. Bildungsbüro und Regionales Grundbildungszentrum zeichnen gemeinsam verantwortlich für die gelungene 1. Wiesbadener Grundbildungskonferenz, die zum Weltalphatag 2016 stattfand. […] Gemeinsam wird zurzeit ausgelotet, inwieweit das gelungene Praxisbeispiel mit den örtlichen Entsorgungsbetrieben auch auf die Stadtverwaltung übertragen werden kann.“

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Ansprechpartner

Ansprechpartner

Martin-Rüdiger Noack, Projektleiter des Grundbildungszentrums der vhs Wiesbaden, Alcide-de-Gasperi-Str. 4/5, 65197 Wiesbaden, Tel. 0611/ 9 88 91 98