Argumente für die Investition in Grundbildung

Ein geringes Grundbildungsniveau kann unterschiedliche Bereiche des Lebens beeinflussen und dadurch dauerhafte Benachteiligungen für Individuen und auch die umgebende Gesellschaft mit sich bringen. Dieser Artikel beinhaltet Argumente, die die Notwendigkeit einer kommunalen Bildungsplanung aufzeigen.

Wirtschaftliche Benachteiligung

Erwachsene mit geringen Lese- und Schreibfähigkeiten sind häufiger durch Arbeitslosigkeit bedroht, erhalten in bestehenden Arbeitsverhältnissen oftmals geringe Löhne und haben weniger Chancen auf eine Beförderung. Den Kommunen entstehen dadurch höhere Aufwendungsbedarfe in den sozialen Sicherungssystemen und potentielle Steuereinnahmen gehen verloren.

Gesellschaftliche Konsequenzen

Eltern, die nicht über ausreichende Lese-und Schreibfähigkeiten verfügen, sind insbesondere während der Schul- und Ausbildungszeit ihrer Kinder häufig mit Anforderungen konfrontiert, die sie nicht oder nur unzureichend erfüllen können, z. B. Formulare für Essens- oder Kursanmeldungen ausfüllen oder Benachrichtigungen der Lehrer/-innen umsetzen. Auch die Studienlage beweist, dass das Bildungsniveau der Eltern einen entscheidenden Einfluss auf das Leben von Kindern hat – ihre Bildungs- und Lebenschancen sind häufig gemindert, je niedriger der Bildungsstand der Eltern ausfällt.

Die politische Teilhabe kann durch verminderte Lese- und Schreibfähigkeiten eingeschränkt werden, nicht zuletzt durch oftmals schlecht konzipierte Dokumente, wie z. B. eng bedruckte Umfragebögen. Die Sorge, auf Grund der eigenen Defizite den Wahlzettel falsch auszufüllen, kann dazu führen, dass Wähler/-innen nicht wählen gehen und somit Wählerstimmen verloren gehen.

Erwachsene mit unzulänglichen  Kompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen können außerdem leichter sozial und finanziell „abrutschen“, da sie z. B. bestimmte Versicherungen nicht abschließen, sich verschulden oder auf behördliche Schreiben und Mahnungen nicht reagieren.

Im Gesundheitsbereich ist ein Mangel an Lese- und Schreibfertigkeiten besonders prekär, da Medikamente falsch eingenommen oder Rezepte falsch ausgewiesen werden können. Studien haben auch einen Zusammenhang  zwischen einem niedrigen Sozialstatus und höheren Gesundheitsrisiken belegt.

Hindernisse im Verwaltungsalltag

Im Verwaltungsalltag bestehen häufig große Hürden für Erwachsene mit geringen Lese- und Schreibfähigkeiten. Eine schwierige behördliche Sprache oder eng bedruckte Formulare führen dazu, dass Bürgerinnen und Bürger nicht auf Schreiben antworten, die Formulare nicht ausfüllen oder gar nicht erst zu Terminen erscheinen. Verwaltungsprozesse werden dadurch ineffizient und fehlerhaft und führen zu Nachteilen sowohl für die Kommune als auch für betroffene Personen selbst (z. B. durch fehlendes Wissen über Sozialleistungen oder Angebote der Kommune).


Literatur

Wößmann, Ludger/ Piopiunik, Marc (2009): „Was unzureichende Bildung kostet. Eine Berechnung der Folgekosten durch entgangenes Wirtschaftswachstum. Gütersloh. Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung http://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/GP_Was_unzureichende_Bildung_kostet.pdf

Döbert, Marion: Alphabetisierung ist keine Insel im Meer. Vortrag am 14. September 2010, Arnstadt.http://www.archiv.reticon.de/nachrichten/alphabetisierung-ist-keine-insel-im-meer_2706.html

Bundesministerium für Bildung und Forschung
telc
Ich will lernen.de
Ich will Deutsch lernen
Alfa Telefon
Winterfest