Tipps für die Gesprächsführung

Informieren Sie sich hier über Strategien der Gesprächsführung mit Entscheidungsträger/-innen. Denn wenn die Spitzen in Politik und Verwaltung vom Thema überzeugt sind, erleichtert das viele Prozesse, wie die Bereitstellung von Ressourcen, Kontaktherstellung zur Presse oder Einladungen in Gremien und Ausschüsse.

Die Vorbereitung auf ein Gespräch mit Entscheidungsträgern ist nicht zu unterschätzen. Oft sind diese mit einer Fülle von Themen konfrontiert, und die Gesprächszeit ist kurz. Haben Sie die Möglichkeit für ein Gespräch erhalten, gilt es, dieses gut vorzubereiten. Folgende Tipps aus der Praxis sollen Unterstützung bieten:

1. Sich über Gesprächspartner/-innen informieren

Ein erster Schritt in der Vorbereitung eines Treffens ist die Recherche von Informationen über die jeweilige Person, ihren Werdegang und ihre Aufgaben. Das Basisbildungszentrum Salzburg  empfiehlt, Statements und Reaktionen der Person auf Ereignisse zu analysieren und so wichtige Hinweise auf mögliche Anknüpfungspunkte für eine gemeinsame Strategie zu erhalten.

Eine andere nützliche Quelle zur Vorbereitung sind die Zukunftsziele der Kommune, die häufig im Onlineauftritt veröffentlicht sind. Ist das Thema Bildung oder Lernen/Lebenslanges Lernen in einem Punkt verankert, können Sie dieses Wissen  strategisch nutzen und im Gespräch mit kommunalen Politiker/-innen die Parallelen zu Ihrem Vorhaben aufzeigen und so von einer Kooperation überzeugen.

2. Achtsamkeit bei der Verwendung von Begriffen

Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Verwendung der verschiedenen Begrifflichkeiten im Themengebiet des funktionalen Analphabetismus einige Herausforderungen mit sich bringt. Der Begriff funktionaler Analphabetismus kann „sperrig“ erscheinen oder stigmatisieren und erfordert häufig weitere Erklärung. Lese-und Schreibschwierigkeiten lassen sich anhand verschiedener Kriterien definieren. Informieren Sie sich über die zentralen Definitionen.

3. Existenz des Problems klar machen

An dieser Stelle bieten die Erkenntnisse der leo.-Studie eine wichtige Unterstützung für die Praxis. Die Zahl von 7,5 Mio. funktionalen Analphabet/-innen wirkt auf viele Menschen sehr abstrakt. Greifbarer wird es, wenn die Zahl auf die konkrete Kommune heruntergebrochen wird. Da es zur Größe dieser Bevölkerungsgruppe in den einzelnen Kommunen keine statistischen Daten gibt, kann die Zahl anhand der folgenden Formel geschätzt werden:

Einwohnerzahl x 0,63 x 0, 145

Download: Erklärung der Formel

4. Konkrete Argumente zählen

Die Entscheidungsträger/-innen nehmen von Beginn an wahr, dass das Thema mit zusätzlichen Kosten für die Kommune verbunden ist. Deshalb sollte im Gespräch klar werden, wie eine Kommune auch wirtschaftlich von der Investition in Grundbildung profitieren kann. Eine anschauliche Vorstellung von drei bis vier Argumenten ist ein zentraler Schritt der Vorbereitung. Hierfür können Sie die Argumente für die Investition in Grundbildung verwenden.

5. Anschauliche Beispiele überzeugen

Die Erfahrung aus der ersten Projektphase von AlphaKommunal hat gezeigt, dass Zeitungsartikel mit markanten Überschriften, Erfahrungsberichte von Dozenten/-innen und Teilnehmer/-innen überzeugen können, da diese den Alltag von Betroffenen wiedergeben und anschaulich klar machen, dass funktionaler Analphabetismus tatsächlich weit verbreitet ist. Daher kann es hilfreich sein, sich nicht nur auf gebundene Druckwerke, wie z.B. Studien, als Anschauungsmaterial zu beziehen.

Download: Fallbeispiele aus der Einstiegsberatung der Münchner VHS

6. Sofortigen Handlungsbedarf aufzeigen

Manche Entscheidungsträger/-innen reagieren verärgert oder fühlen sich als vermeintlich Verantwortliche des Problems bedrängt. In solchen Situationen kann es helfen, das Gespräch auf die derzeitige Ausgangssituation zurückzuführen. Über das Verursacherproblem und darüber zu diskutieren, wer verantwortlich ist, dass viele Erwachsene nicht lesen und schreiben können, führt in vielen Fällen zur Verstimmung der Gesprächspartner/-innen und auch zu keinem konkreten Lösungsansatz. Anstatt nach dem Verursacher zu suchen, sollte man sich darauf konzentrieren, sofort Maßnahmen zu ergreifen, um Betroffene zu unterstützen.

7. Sich auf politische Absichtserklärungen und Leitlinien beziehen

Gerade im Verwaltungskontext kann es hilfreich sein, sich auf übergeordnete Leitlinien zu beziehen. Dies können Strategien oder Zukunftserklärungen der einzelnen Bundesländer sein, aber auch bundesweite Konzepte, wie die „Nationale Dekade für Alphabetisierung“ des BMBF und der KMK. Auch der Letter of Intent (LoI) der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände für das Projekt AlphaKommunal kann zur Überzeugung genutzt werden. Darin empfehlen die Verbände ihren Mitgliedern - den Städten, Gemeinden und Landkreisen - sich an der Umsetzung von Strategien zum nachholenden Erwerb von Grundbildung zu beteiligen.

Download: Letter of Intent der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände

Interviews mit Politiker/-innen

Hier finden Sie Interviews mit den politischen Spitzen der drei Modellstandorte der ersten Phase des Projektes AlphaKommunal – Kaiserslautern, Potsdam und dem Landkreis Uelzen:

  1. Bürgermeisterin der Stadt Kaiserslautern, Dr. Susanne Wimmer-Leonhardt
  2. Oberbürgermeister der Stadt Potsdam, Jann Jakobs
  3. Landrat des Landkreises Uelzen, Dr. Heiko Blume

Literatur

Bauer, Brigitte/ Sallaberger, Gerhild/ Basisbildungszentrum abc-Salzburg (Hrsg.) (2010): Aufbau von Basisbildungsstrukturen in einer ländlichen Region, Salzburg.

Bundesministerium für Bildung und Forschung
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