Alpha-Levels

Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben umfassen eine große Bandbreite, von Unsicherheiten bei der Verschriftlichung einzelner Laute bis hin zu Rechtschreibfehlern beim Verfassen von Texten.

Eine Studie unter Leitung der Universität Hamburg (die sogenannte leo. – Level-One Studie[1]) erhob 2010 erstmals, welche Größenordnung Lese- und Schreibschwierigkeiten in Deutschland umfassen und wie sich Grade des Analphabetismus‘ (Alpha-Level) in Deutschland verteilen.

Zur Erhebung dieser Daten wurde eine interviewbasierte Befragung einer Zufallsstichprobe von in Deutschland lebenden Personen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren durchgeführt. Die Teilnahme an der Befragung setzte ausreichende Deutschkenntnisse voraus.[2] Die Studie wurde inhaltlich von Prof. Dr. Anke Grotlüschen, Dr. Wibke Riekmann und Klaus Buddeberg verantwortet.[3]

Im Folgenden werden die Alpha-Levels und ihre Verteilung kurz beschrieben.

Alpha-Level 1 „Buchstabenebene“:

Es werden einzelne Buchstaben erkannt und geschrieben, die Wortebene wird beim Lesen und Schreiben jedoch nicht erreicht. Nach Erhebungen der leo. – Level-One Studie befinden sich in Deutschland 300.000 Menschen (0,3 Mio.) auf Alpha-Level 1.[4]
Dies ist hinsichtlich des Umfangs das Alpha-Level mit der kleinsten Population (0,6% der erwachsenen deutschen Bevölkerung). Der Studie zufolge sprechen über 70 % der Personen mit Lese- und Schreibkompetenzen auf Alpha-Level 1 Deutsch als Zweitsprache.[5]

Alpha-Level 2 „Wortebene“:

Von Alpha-Level 2 wird beim Unterschreiten der Satzebene gesprochen. Personen mit Lese- und Schreibkompetenzen auf Alpha-Level 2 können zwar einzelne Wörter lesend verstehen bzw. schreiben, jedoch keine ganzen Sätze oder Texte. Zudem müssen die betroffenen Personen auch gebräuchliche Wörter Buchstabe für Buchstabe zusammensetzen.[6]

Dies betrifft der Hamburger Studie zufolge 2 Millionen Menschen in Deutschland.[7]
Laut leo. – Level-One Studie enthält das Alpha-Level 2 im Vergleich mit anderen Alpha-Levels den höchsten Anteil an Arbeitssuchenden.[8]

Der Personenkreis der Teilnehmer/-innen mit Kompetenzen auf Alpha-Level 2 ist in Alphabetisierungskursen der Volkshochschulen stärker repräsentiert als andere Alpha-Levels.[9]

Alpha-Level 3 „Satzebene“:

Eine Person kann zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, scheitert jedoch an zusammenhängenden – auch kürzeren – Texten und vermeidet sie deshalb. Dies betrifft der Studie zufolge 5,2 Mio. Menschen in Deutschland.[10]
Alpha-Level 3 beinhaltet mit 58% die höchste Quote an arbeitenden Analphabet/innen, der Wert variiert jedoch über die Alpha-Levels hinweg nur um wenige Prozentpunkte[11]

Personen mit Lese- und Schreibkompetenzen auf Alpha-Level 3 haben einen kürzeren Weg hin zur gelungenen Literalisierung, spüren aber evtl. weniger Handlungsdruck als Personen mit schwächeren Lese- und Schreibkompetenzen.

Alpha Level 4 „fehlerhaftes Schreiben“ auf Textebene:

Personen auf diesem Alpha-Level erreichen im Lesen und Schreiben zwar die Textebene (und zählen daher nicht mehr zu den funktionalen Analphabet/innen), schreiben und lesen auf Satz- und Textebene aber auch bei gebräuchlichen Wörtern weiterhin langsam und/oder fehlerhaft. Die Rechtschreibung, wie sie bis zum Ende der Grundschule unterrichtet wird, wird nicht hinreichend beherrscht. Dies betrifft in Deutschland weitere 25% (13,3 Mio.) der erwerbsfähigen Bevölkerung.[12] Auch auf diesem Alpha-Level wird das Lesen und Schreiben noch häufig vermieden.

Die leo. – Level-One Studie identifiziert in Deutschland die ersten drei Alpha-Levels als funktionalen Analphabetismus:

Funktionaler Analphabetismus liegt bei Erwachsenen bei Unterschreitung der Textebene vor, d. h. eine Person kann einzelne Buchstaben, Wörter oder auch Sätze lesen oder schreiben (Alpha-Level 1-3), nicht jedoch zusammenhängende – auch kürzere – Texte.[13]

Nach dieser Definition zählen (in der Summe von Alpha-Level 1-3) 14,5% der erwerbsfähigen Bevölkerung in Deutschland (d. h. 7,5 Millionen Menschen) zu den funktionalen Analphabet/innen.[14]

Die Alpha-Level 1 und 2 und damit das Unterschreiten der Satzebene  werden als „Analphabetismus im engeren Sinne“ bezeichnet.[15] Dies betrifft mehr als 4% der erwerbsfähigen Bevölkerung (2,3 Millionen).


     [1] Vgl. Grotlüschen, Anke/Riekmann, Wibke (2011): leo. – Level-One Studie. Literalität von Erwachsenen auf den unteren Kompetenzniveaus. Presseheft, Hamburg. Online verfügbar: URL: blogs.epb.uni-hamburg.de/leo/files/2011/12/leo-Presseheft_15_12_2011.pdf, S. 4, 6 und 12; vgl. Grotlüschen/Riekmann (2012);

     [2] Vgl. ebd.: S. 12.

     [3] Grotlüschen, Anke /Riekmann, Wibke (2012): Funktionaler Analphabetismus in Deutschland. Ergebnisse der ersten leo. – Level-One Studie. Reihe: Alphabetisierung und Grundbildung (Band 10), hrsg. vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V., Münster 2012, S. 7.

     [4] Ebd., S. 19ff; vgl. Grotlüschen/Riekmann (2011): S. 4 und 6.

     [5] Grotlüschen, Anke /Riekmann, Wibke (2012): Funktionaler Analphabetismus in Deutschland. Ergebnisse der ersten leo. – Level-One Studie. Reihe: Alphabetisierung und Grundbildung (Band 10), hrsg. vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V., Münster 2012, S. 45.

     [6] Grotlüschen/Riekmann (2011): S. 2.

     [7] Grotlüschen, Anke /Riekmann, Wibke (2012): Funktionaler Analphabetismus in Deutschland. Ergebnisse der ersten leo. – Level-One Studie. Reihe: Alphabetisierung und Grundbildung (Band 10), hrsg. vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V., Münster 2012,: S. 19f; vgl. Grotlüschen/Riekmann (2011): S. 4 und 6.

     [8] Vgl. Grotlüschen, Anke /Riekmann, Wibke (2012): Funktionaler Analphabetismus in Deutschland. Ergebnisse der ersten leo. – Level-One Studie. Reihe: Alphabetisierung und Grundbildung (Band 10), hrsg. vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V., Münster 2012, S. 45.

     [9] Ebd., S. 45f; vgl. von Rosenbladt/Bilger (2011).

     [10] Grotlüschen, Anke /Riekmann, Wibke (2012): Funktionaler Analphabetismus in Deutschland. Ergebnisse der ersten leo. – Level-One Studie. Reihe: Alphabetisierung und Grundbildung (Band 10), hrsg. vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V., Münster 2012, S. 19f; vgl. Grotlüschen, Anke/Riekmann, Wibke (2011): leo. – Level-One Studie. Literalität von Erwachsenen auf den unteren Kompetenzniveaus. Presseheft, Hamburg. Online verfügbar: URL: blogs.epb.uni-hamburg.de/leo/files/2011/12/leo-Presseheft_15_12_2011.pdf,S. 4 u. 6.

     [11] Vgl. Grotlüschen, Anke /Riekmann, Wibke (2012): Funktionaler Analphabetismus in Deutschland. Ergebnisse der ersten leo. – Level-One Studie. Reihe: Alphabetisierung und Grundbildung (Band 10), hrsg. vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V., Münster 2012, S. 45.

     [12] Grotlüschen, Anke/Riekmann, Wibke (2011): leo. – Level-One Studie. Literalität von Erwachsenen auf den unteren Kompetenzniveaus. Presseheft, Hamburg. Online verfügbar: URL: blogs.epb.uni-hamburg.de/leo/files/2011/12/leo-Presseheft_15_12_2011.pdf,S.2; Vgl. Grotlüschen/Riekmann (2012): S. 20f; vgl. Grotlüschen/Riekmann (2011): S. 4 und 6.

     [13] Vgl. Grotlüschen, Anke/Riekmann, Wibke (2011): leo. – Level-One Studie. Literalität von Erwachsenen auf den unteren Kompetenzniveaus. Presseheft, Hamburg. Online verfügbar: URL: blogs.epb.uni-hamburg.de/leo/files/2011/12/leo-Presseheft_15_12_2011.pdf,S. 2.

     [14] Ebd.,S. 4 und 6.

     [15] Ebd., S.2.


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