Grundbildungsketten realisieren

Unter dem Leitthema „Grundbildungsketten realisieren“ fand vom 05. – 06.09.2017 die zweite Bundesfachkonferenz Grundbildung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) im Augustinerkloster zu Erfurt statt. Expertinnen und Experten aus Politik, Bildungsverwaltung, Wissenschaft und Praxis diskutierten in Plenumsvorträgen, Fachgesprächen und Workshops Methoden und Inhalte von Grundbildungsangeboten. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Staatssekretärin Gabi Ohler aus dem Thüringischen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport und Sylvia Kränke, der Leiterin des Landesverbandes der Volkshochschulen in Thüringen.

Dabei wurde am ersten Tag nicht nur die nationale Perspektive betrachtet, sondern auch über den sprichwörtlichen Tellerrand geblickt. Timm Helten von der Koordinierungsstelle Dekade für Alphabetisierung beim Bundesinstitut für Berufsbildung stellte die bundesweiten Aktivitäten vor. Martina Ní Cheallaigh, Mitarbeiterin der Europäischen Kommission, stellte die Empfehlung des Europäischen Rates zu den „Weiterbildungspfaden“ vor und welche Rolle sie in der Förderung der Grundbildung spielen kann. Dr. Thomas Fritz, Leiter des lernraum.wien, gab Einblicke in die Basisbildung in Österreich. In einem Fachgespräch erörterten Stefan Markov (Herder Institut Leipzig) und Prof. em. Dr. Jakob Ossner  (Goethe-Universität Frankfurt) Möglichkeiten, wie gemeinsame Grundbildungsangebote für Menschen mit Deutsch als Muttersprache und Zweitsprache erfolgreich gestaltet werden können.

Der zweite Tag stand unter dem Zeichen der konkreten Umsetzung von Angeboten. Petra Mundt vom Landesverband der Volkshochschulen in Schleswig-Holstein und Berit Staecker von der Schule für Erwachsene an der Volkshochschule Hannover diskutierten über die Möglichkeiten, Grundbildungsketten in der bestehenden Angebotslandschaft zu realisieren. Da zur Umsetzung auch immer die Finanzierung gehört, gab Dr. Caroline Duncker-Euringer von der Universität Hamburg Einblicke in Ihre Forschungsarbeiten zum Grundbildungsverständnis der öffentlichen Bildungsverwaltung. Wolfgang Nafroth, Kommunikations- und Politikberater, zeigte in seinem Vortrag auf, mit welchen Strategien man Entscheiderinnen und Entscheider auf ein Thema aufmerksam macht und zur Verhandlung an den Tisch bekommt.

Gabi Netz und Celia Sokolowsky vom Deutschen Volkshochschul-Verband stellten abschließend das vhs-Lernportal als ein Instrument vor, in dem viele Zielgruppen für sie geeignete Online-Lernangebote finden.

Während der gesamten Veranstaltung wurde deutlich, dass eine Vielzahl guter Ansätze und Ideen existieren, es jedoch an einer Kontinuität und Verlässlichkeit in der Angebotsstruktur fehlt. Darüber hinaus sind die Rahmenbedingungen für Kursleiterinnen und Kursleiter vergleichbar schwierig.

Damit hier Verbesserungen erkennbar werden, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen von allen bildungspolitischen Akteurinnen und Akteuren sowie eine engere Zusammenarbeit aller Beteiligten unabhängig von Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten. Dies bekräftigte auch Gundula Frieling, stellvertretende Verbandsdirektorin des DVV in ihren Abschlussworten. Nur so können Grundbildungsketten für alle Zielgruppen realisiert werden.

Das Augustinerkloster zu Erfurt war für die Veranstaltung ein stimmungsvoller und auch historisch bedeutsamer Ort, der gut zum Thema passte, da Martin Luther hier sein Leben als Mönch und Priester begann und damit sein Einfluss auf die Verbreitung der deutschen Schriftsprache ihren Anfang nahm.

Eine ausführliche Dokumentation der Veranstaltung finden Sie in Kürze hier auf grundbildung.de.