Inhalt ansprigen

Grundbildung.de

leo. – Level-One Studie

Die leo. – Level-One Studie hat erstmals gesicherte Daten über den Umfang des Funktionalen Analphabetismus in Deutschland erhoben und 2011 die ersten Ergebnisse veröffentlicht.

Die Größenordnung des Funktionalen Analphabetismus in Deutschland ist mit 7,5 Millionen Menschen (14,5% der erwachsenen Bevölkerung) deutlich höher als der bisherige Schätzwert von etwa vier Millionen. Diese Erwachsenen lesen so schlecht, dass sie im Alltag gelegentlich oder grundsätzlich auf Unterstützung angewiesen sind. Darüber befinden sich weitere 13,3 Millionen Erwachsene, deren Schriftsprache auch bei gebräuchlichem Wortschatz fehlerhaft ist (Alpha-Level 4 und höher).Die Erkenntnisse aus der leo.-Studie bilden die Grundlage für viele weitere Studien und Projekte im Bereich Alphabetisierung und Grundbildung. Hier einige der wichtigsten Ergebnisse:

Verteilung nach Alpha-Levels:

  • auf Alpha-Level 1 liegen etwa 0,3 Millionen Menschen (0,6 %)
  • auf Alpha-Level 2 liegen etwa 2 Millionen Menschen (3,9 %)
  • auf Alpha-Level 3 liegen etwa 5,2 Millionen Menschen (10 %)
  • insgesamt liegen etwa 7,5 Millionen Menschen (14,5 %) auf den Alpha-Levels 1 bis 3 und sind somit dem Funktionalen Analphabetismus zuzurechnen
  • darüber hinaus liegen etwa 13,3 Millionen Menschen (25,9 %) auf Alpha-Level 4

Demografie

  • 60,3 % der Funktionalen Analphabetinnen und Funktionalen Analphabeten sind Männer, 39,7 % Frauen
  • Etwa 40 % der Funktionalen Analphabetinnen und Funktionalen Analphabeten sind zwischen 50 und 64 Jahre alt, circa 20 % zwischen 18 und 29 Jahre alt
  • 58,1 % der Funktionalen Analphabetinnen und Funktionalen Analphabeten haben Deutsch als Erstsprache erlernt, 41,8 % eine andere Sprache

Bildung

  • 19,3 % der Funktionalen Analphabetinnen und Funktionalen Analphabeten haben keine Schulabschlüsse
  • 47,7 % haben untere Bildungsabschlüsse
  • 12,3 % haben höhere Bildungsabschlüsse

Arbeit

Von den Funktionalen Analphabetinnen und Analphabeten sind

  • 56,9 % erwerbstätig
  • 16,7 % arbeitslos
  • 10,1 % Hausfrau/-mann oder in Elternzeit

Durchgeführt wurde die Studie von der Universität Hamburg unter der Leitung von Prof. Dr. Anke Grotlüschen und Dr. Wibke Riekmann. Grundlage der Studie bildete die Befragung einer repräsentativen Stichprobe von insgesamt über 8.000 in Deutschland lebenden Personen zwischen 18 und 64 Jahren.
Auf der Website der Universität Hamburg finden Sie das Presseheft und den Sammelband sowie weiter Informationen zur Studie.

Alpha-Levels

Alpha-Level 1 „Buchstabenebene“:
Es werden einzelne Buchstaben erkannt und geschrieben, die Wortebene wird beim Lesen und Schreiben jedoch nicht erreicht. Nach Erhebungen der leo. – Level-One Studie befinden sich in Deutschland 300.000 Menschen (0,3 Mio.) auf Alpha-Level 1.[1]
Dies ist hinsichtlich des Umfangs das Alpha-Level mit der kleinsten Population (0,6% der erwachsenen deutschen Bevölkerung). Der Studie zufolge sprechen über 70 % der Personen mit Lese- und Schreibkompetenzen auf Alpha-Level 1 Deutsch als Zweitsprache.[2]


Alpha-Level 2 „Wortebene“:
Von Alpha-Level 2 wird beim Unterschreiten der Satzebene gesprochen. Personen mit Lese- und Schreibkompetenzen auf Alpha-Level 2 können zwar einzelne Wörter lesend verstehen bzw. schreiben, jedoch keine ganzen Sätze oder Texte. Zudem müssen die betroffenen Personen auch gebräuchliche Wörter Buchstabe für Buchstabe zusammensetzen.[3]

Dies betrifft der Hamburger Studie zufolge 2 Millionen Menschen in Deutschland.[4]
Laut leo. – Level-One Studie enthält das Alpha-Level 2 im Vergleich mit anderen Alpha-Levels den höchsten Anteil an Arbeitssuchenden.[5]

Der Personenkreis der Teilnehmer/-innen mit Kompetenzen auf Alpha-Level 2 ist in Alphabetisierungskursen der Volkshochschulen stärker repräsentiert als andere Alpha-Levels.[6]


Alpha-Level 3 „Satzebene“:
Eine Person kann zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, scheitert jedoch an zusammenhängenden – auch kürzeren – Texten und vermeidet sie deshalb. Dies betrifft der Studie zufolge 5,2 Mio. Menschen in Deutschland.[7]
Alpha-Level 3 beinhaltet mit 58% die höchste Quote an arbeitenden Analphabet/innen, der Wert variiert jedoch über die Alpha-Levels hinweg nur um wenige Prozentpunkte[8]

Personen mit Lese- und Schreibkompetenzen auf Alpha-Level 3 haben einen kürzeren Weg hin zur gelungenen Literalisierung, spüren aber evtl. weniger Handlungsdruck als Personen mit schwächeren Lese- und Schreibkompetenzen.


Alpha Level 4 „fehlerhaftes Schreiben“ auf Textebene:
Personen auf diesem Alpha-Level erreichen im Lesen und Schreiben zwar die Textebene (und zählen daher nicht mehr zu den funktionalen Analphabet/innen), schreiben und lesen auf Satz- und Textebene aber auch bei gebräuchlichen Wörtern weiterhin langsam und/oder fehlerhaft. Die Rechtschreibung, wie sie bis zum Ende der Grundschule unterrichtet wird, wird nicht hinreichend beherrscht. Dies betrifft in Deutschland weitere 25% (13,3 Mio.) der erwerbsfähigen Bevölkerung.[9] Auch auf diesem Alpha-Level wird das Lesen und Schreiben noch häufig vermieden.


     [1] Grotlüschen, Anke /Riekmann, Wibke (2012): Funktionaler Analphabetismus in Deutschland. Ergebnisse der ersten leo. – Level-One Studie. Reihe: Alphabetisierung und Grundbildung (Band 10), hrsg. vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V., Münster 2012, S. 19ff; vgl. Grotlüschen/Riekmann (2011): S. 4 und 6.

     [2] Ebd., S. 45.

     [3] Grotlüschen, Anke/Riekmann, Wibke (2011): leo. – Level-One Studie. Literalität von Erwachsenen auf den unteren Kompetenzniveaus. Presseheft, Hamburg. Online verfügbar: URL: blogs.epb.uni-hamburg.de/leo/files/2011/12/leo-Presseheft_15_12_2011.pdf,: S. 2.

     [4] Grotlüschen, Anke /Riekmann, Wibke (2012): Funktionaler Analphabetismus in Deutschland. Ergebnisse der ersten leo. – Level-One Studie. Reihe: Alphabetisierung und Grundbildung (Band 10), hrsg. vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V., Münster 2012,: S. 19f; vgl. Grotlüschen/Riekmann (2011): S. 4 und 6.

     [5] Vgl. Ebd., S. 45.

     [6] Ebd., S. 45f; vgl. von Rosenbladt/Bilger (2011).

     [7] Grotlüschen, Anke /Riekmann, Wibke (2012): Funktionaler Analphabetismus in Deutschland. Ergebnisse der ersten leo. – Level-One Studie. Reihe: Alphabetisierung und Grundbildung (Band 10), hrsg. vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V., Münster 2012, S. 19f; vgl. Grotlüschen, Anke/Riekmann, Wibke (2011): leo. – Level-One Studie. Literalität von Erwachsenen auf den unteren Kompetenzniveaus. Presseheft, Hamburg. Online verfügbar: URL: blogs.epb.uni-hamburg.de/leo/files/2011/12/leo-Presseheft_15_12_2011.pdf,S. 4 und 6.

     [8] Vgl. Grotlüschen, Anke /Riekmann, Wibke (2012): Funktionaler Analphabetismus in Deutschland. Ergebnisse der ersten leo. – Level-One Studie. Reihe: Alphabetisierung und Grundbildung (Band 10), hrsg. vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V., Münster 2012, S. 45.

     [9] Grotlüschen, Anke/Riekmann, Wibke (2011): leo. – Level-One Studie. Literalität von Erwachsenen auf den unteren Kompetenzniveaus. Presseheft, Hamburg. Online verfügbar: URL: blogs.epb.uni-hamburg.de/leo/files/2011/12/leo-Presseheft_15_12_2011.pdf, S.2; Vgl. Grotlüschen/Riekmann (2012): S. 20f; vgl. Grotlüschen/Riekmann (2011): S. 4 und 6.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise

  • http://www.fotogestoeber.de

Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass diese Seite Cookies verwendet.

Mehr erfahren